Faszination Fankurve: Übersicht zu Corona-Hilfsaktionen & sozialem Engagement

Im zweiten Lockdown haben einige Fan- und Ultragruppen ihre Hilfsaktionen zum Schutz der Risikogruppen wieder aktiviert. Neben diesen Einkaufshilfen rufen Fanclubs, Ultragruppen und Vereine in der Vorweihnachtszeit außerdem wieder zu Spendenaktionen auf. Gemeinsam mit KickIn! haben wir eine Übersicht erstellt.

Um Risikogruppen zu schützen und Personen zu helfen, die sich in Quarantäne befinden, rufen viele Fan- und Ultraszenen dazu auf, sich solidarisch zu zeigen und für die genannten Personengruppen Einkäufe und Erledigungen zu übernehmen. Solche Aktionen finden nun beispielsweise wieder in Stuttgart und Umgebung, organisiert von den Ultras vom Schwabensturm, sowie in Leverkusen, organisiert von den Ultras Leverkusen, statt. In Wolfsburg übernimmt die aktive Fan- und Ultraszene vom VfL Wolfsburg die Arbeit der Wolfsburger Tafel, nachdem diese wegen steigenden Infektionszahlen vorübergehend geschlossen wurde. (…)

Zu mir vollständigen Artikel: https://www.faszination-fankurve.de/index.php?head=Uebersicht-zu-Corona-Hilfsaktionen-amp-sozialem-Engagement&folder=sites&site=news_detail&news_id=22243

In Kontakt bleiben

Interview zur Fansozialarbeit in der Corona-Zeit

Zum Artikel: https://www.yumpu.com/de/embed/view/R4D1l6zwOp93xBa0

Die „Update“ ist das Magazin der Outlaw Kinder- und Jugendhilfe gGmbH. FANport-Leiter Edo Schmidt beschreibt dort in einem Interview die Veränderungen der Fansozialarbeit während der Corona-Zeit.

FANport Newsletter #42

Fansozialarbeit in Zeiten der Pandemie

 

Leider haben wir aktuell mit einer zweiten Coronawelle und entsprechenden Kontaktbeschränkungen zu tun. Was trotzdem möglich ist, was sich an unserer Arbeit verändert hat und wie es weiter geht, erfahrt ihr in unserem aktuellen Newsletter (einfach unten auf dieser Seite das PDF anklicken…).

 

Wir zeigen in unserer FAN-Anlaufstelle alle Auswärtsspiele des SC Preußen Münster. Falls du unter 18 Jahre alt bist, kannst du dich gerne anmelden: 0151-61338940. Regelmäßige Angebote finden aber nur noch online statt. Falls du mittwochs um 18 Uhr oder donnerstags ab 16 Uhr Zeit hast, kannst du in verschiedenen Disziplinen gegen unser Team in unserem virtuellen FANport antreten. Schau einfach mal bei uns auf Instagram rein! Es gibt auch was zu gewinnen, zum Beispiel bei unserem Spieltagsquiz… 

2020-11 FANport-Newsletter #42

 

Fanprojekte erhalten Qualitätssiegel

Bestätigung für die gute Arbeit der Fanprojekte

Der FANport wurde
bereits 2018 zertifiziert..

Nichts ist so gut, dass es nicht verbessert werden könnte. Das gilt auch für die sozialpädagogische Fanarbeit. Dafür wurde 2010 ein Konzept zur Qualitätssicherung eingeführt, inzwischen ist der zweite Prüfzyklus abgeschlossen. 60 Fanprojekte haben bis September 2020 das Qualitätssiegel „Fanprojekt nach dem Nationalen Konzept Sport und Sicherheit (NKSS)“ erhalten.

Wie lässt sich die Qualität von Sozialarbeit mit Fußballfans, also die Kerntätigkeit der Fanprojekte, bewerten, evaluieren, verbessern? Um diese Frage zu beantworten, wurde 2010 das Qualitätssiegel „Fanprojekt nach dem Nationalen Konzept Sport und Sicherheit (NKSS)“ eingeführt. Bis 2015 wurden 51 Fanprojekte in einem ersten Zyklus geprüft und erfolgreich zertifiziert. Nun ist im September 2020 der zweite Prüfzyklus, dem ein Pilotprojekt vorgeschaltet war, abgeschlossen. Auch diesmal haben alle 60 untersuchten Fanprojekte das Qualitätssiegel erhalten. Anders als im ersten Durchgang wurde die Datenerhebung von einem externen und unabhängigen Institut, dem Centrum für Evaluation (CEval GmbH) aus Saarbrücken, durchgeführt. Hat ein Fanprojekt den Prozess erfolgreich abgeschlossen, behält das Qualitätssiegel für drei Jahre seine Gültigkeit.

Das Konzept des Qualitätssiegels wurde von der AG Qualitätssicherung entwickelt, die auf Grundlage der Auswertung der CEval GmbH die Entscheidung über die Vergabe des Siegels trifft. Die Arbeitsgruppe ist an den Beirat der KOS angeschlossen. In ihr sind mit der Deutschen Sportjugend als Vertreterin der Trägerlandschaft, der Arbeitsgemeinschaft der Obersten Familien- und Jugendbehörden für die Bundesländer, DFB und DFL, Wissenschaft und der Bundesarbeitsgemeinschaft der Fanprojekte alle relevanten Netzwerkpartner der Arbeit vertreten. Vorsitzender der AG ist Prof. Dr. Gunter A. Pilz. Finanziert wird dieser Prozess von BMFSFJ, DFB und DFL. „Die Vergabe des Qualitätssiegels ist jedes Mal auch ein Beleg für die hohe fachliche Qualität der sozialpädagogischen Arbeit der Fanprojekte. Die enge Begleitung des Vergabeprozesses durch die AG und die intensiven Diskussionen innerhalb der AG geben allen Beteiligten zudem einen guten Einblick in die spezifische Arbeit vor Ort“, sagt Prof. Dr. Pilz. „Das Qualitätssiegel hat sich als ein wichtiges Instrument zur Qualitätssicherung der Arbeit der Fanprojekte bewährt. Unser Blick geht nun in die Zukunft und in die Ausgestaltung des dritten Durchlaufs.“

Der Prozess der Qualitätssicherung für die zweite Vergaberunde verlief in mehreren Stufen und erstreckte sich über rund zweieinhalb Jahre. Die Mitarbeiter*innen von CEval GmbH erhoben Daten durch Fragebögen und Gespräche vor Ort, nicht nur mit den Fanprojekten selbst, sondern auch mit den verschiedenen Netzwerkpartnern: mit Geschäftsführung, Sicherheits- und Fanbeauftragten in den Vereinen, Vertreter*innen von Kommune, Polizei, dem Träger und nicht zuletzt mit der Fanszene. Geprüft wurden strukturelle Kriterien wie die Ausstattung der Fanprojekte: Werden Diensthandys und

ein Fahrzeug zur Verfügung gestellt? Sind ausreichende Räumlichkeiten vorhanden? Beteiligen sich die Fachkräfte regelmäßig an Fort- und Weiterbildungen? Doch bei anderen Fragen wie jener nach der

Zusammenarbeit mit den Fanbeauftragten, der Kommunikations- und Vermittlungsfähigkeit im Netzwerk oder nach der Akzeptanz der Fanprojektarbeit in der Fanszene des Bezugsvereins geht es

stärker um inhaltliche Einschätzungen, für die eine gute Kenntnis der Arbeitsabläufe und -bedingungen vor Ort hilfreich ist. Deutlich wurde in der Datenerhebung, dass der Prozess von den Beteiligten ernstgenommen und wertgeschätzt wird, der Rücklauf und die Bereitschaft, Auskunft zu geben, waren hoch. „Das Qualitätssiegel nimmt sowohl für die Fanprojekte als auch für die jeweilige Trägerorganisation einen hohen Stellenwert ein“, sagt Dr. Vera Hennefeld, Projektleiterin bei der CEval GmbH.

Die hohen Hürden für die Qualitätssicherung hat nicht jedes Fanprojekt im ersten Anlauf genommen, denn die sogenannten Muss-Kriterien waren nicht sofort überall erfüllt. Teilweise waren dies formale Kriterien wie das Nichtvorhandensein von Räumen für vertrauliche Einzelbesprechungen oder ein nicht regelmäßig tagender Projektbeirat. Teilweise ging es um grundlegende Aspekte wie etwa die personelle Ausstattung der Fanprojekte. So muss eine Einrichtung laut den Vorgaben der AG Qualitätssicherung über hauptamtliche Mitarbeiter*innen im Umfang von mindestens zwei Vollzeitäquivalenten verfügen. Dies war zunächst nicht bei allen evaluierten Fanprojekten gegeben. In diesen Fällen wurde die Vergabe des Qualitätssiegels an eine Nachjustierung geknüpft.

„Der Vergabeprozess hat positive Veränderungen ausgelöst, gerade was strukturelle Rahmenbedingungen angeht“, sagt Michael Gabriel, Leiter der KOS. „Gleichzeitig hat der Prozess deutlich gemacht, wie gut die Fanprojekte in den kommunalen und lokalen Netzwerken verankert sind.“ Das Fazit aus der zweiten Runde der Qualitätssicherung für die Fanprojekte fällt daher auch für die KOS rundum positiv aus: „Dass die Kolleginnen und Kollegen an allen 60 Standorten für ihre Arbeit mit dem Qualitätssiegel ausgezeichnet werden konnten, ist eine Bestätigung für die hohe Qualität sowohl des gesamten Ansatzes der Sozialarbeit mit Fußballfans als auch der jeweiligen praktischen Umsetzung in den lokalen Fanprojekten“, sagt Gabriel.

Quelle: https://kos-fanprojekte.de/index.php?id=news-einzelansicht&tx_ttnews%5Btt_news%5D=734&cHash=2cab0c768cbe9023657d3f2e2b8ce3c9

WEB.DE: Sexualisierte Gewalt – Wenn das Fußballstadion zum Tatort wird

Was für viele Menschen die schönste Nebensache der Welt ist, wird für manche zum Albtraum. Besonders Frauen sind beim Besuch von Fußballspielen immer wieder sexualisierter Gewalt ausgesetzt. Bis jetzt wird von offizieller Stelle wenig dagegen unternommen. (…)

Zum vollständigen Artikel: https://web.de/magazine/sport/fussball/sexualisierte-gewalt-fussballstadion-tatort-34971100

DFB: Fanprojekte – DFB beschließt Fördergarantie und Reformprozess

Nach intensiven Beratungen hat das Präsidium des DFB heute beschlossen, einen Reformprozess zur künftigen Ausgestaltung der Fanprojektförderung zu initiieren. Hierzu wird der DFB auf den Nationalen Ausschuss Sport und Sicherheit (NASS) zugehen. Dieser Prozess soll gemeinsam mit allen relevanten Netzwerkpartner*innen erfolgen.

Um diesen Prozess mit Planungssicherheit zu ermöglichen, wird der Deutsche Fußball-Bund die Fanprojekte entsprechend der für 2020 bewilligten Förderhöhe bis zum 30. Juni 2022 unverändert weiterfördern. Die Ausweitung der Förderung sowie die Einrichtung neuer Fanprojekte ist in dieser Zeit ausgeschlossen. Letzteres gilt nicht für ein bereits in der Beantragung befindliches Fanprojekt. Die Ergebnisse des Reformprozesses sollen bis zum 1. Oktober 2021 vorliegen.

DFB-Generalsekretär Friedrich Curtius sagt: „Die Bedeutung der Fanprojekte für die Förderung und den Erhalt einer friedlichen, lebendigen Fan- und Jugendkultur ist allgemein anerkannt und steht auch für den DFB außer Frage. Gleichwohl hat sich die Fanprojektlandschaft in den letzten Jahren stark verändert. Aus diesem Grund braucht es Reformen. Ich freue mich, dass wir mit diesem Beschluss eine wichtige Basis geschaffen haben.“

Quelle: https://www.dfb.de/news/detail/fanprojekte-foerdergarantie-und-reformprozess-219184/

Auch passend zum Thema: https://www.spiegel.de/sport/fussball/dfb-will-fanprojekten-geld-streichen-a-e9ca6eb8-235b-4f48-85da-bd43ff3e00b9

AG Fankulturen diskutiert über Wiederzulassung von Fans

In der Arbeitsgemeinschaft Fankulturen wurde im Beisein von Christian Seifert (DFL) und Dr. Friedrich Curtius (DFB) über Bedingungen gesprochen, unter denen Fans im Herbst wieder in die Stadien gelassen werden könnten. Vieles hängt dabei von den Landes- und kommunalen Behörden ab.

In der AG Fankulturen treffen sich regelmäßig Vertreter*innen beider Fußballverbände (DFL und DFB), von Fanorganisationen (Unsere Kurve, F_in Netzwerk Frauen im Fußball, Queer Football Fans), der Bundesbehindertenfanarbeitsgemeinschaft (BBAG), dem Fanclub Nationalmannschaft, der Koordinationsstelle Fanprojekte, der Bundesarbeitsgemeinschaft der Fanprojekte sowie der Fanbeauftragten der Vereine.

Mehr Infos: https://www.dfb.de/news/detail/ag-fankulturen-ausserordentliche-sitzung-217381/

FANport Newsletter #41

Abschied von der Dritten Liga

Nun also doch! Der SC Preußen Münster schloss die Saison 2019/20 auf Platz 18 der Dritten Liga ab und muss nun ‘runter in die Regional­liga. Da half auch nicht die „stille“ Unterstützung der Fans, die immer wieder mit Tapeten und Bannern im Stadion und am Trainingsgelände „ihre Preußen“ supporteten – mehr ließ der „Corona-Fußball“ einfach nicht zu!

Was ändert sich durch den Abstieg für uns? Das und mehr könnt ihr in unserem aktuellen Newsletter lesen – einfach das PDF unten auf der Seite anklicken…

Unser Fußball.jetzt

Die Erklärung:

Unser Fußball – basisnah, nachhaltig, zeitgemäß

Seit Jahren beobachten wir viele Entwicklungen des Profifußballs mit Sorge. Wiederkehrend wurde auf die Notwendigkeit von Veränderungen hingewiesen. Die Corona-Krise hat weitere Schwächen des kaputten Systems Profifußball offenbart. Nun haben auch DFL, DFB und einige Vereinsvertreter Reformen angekündigt. Punktuelle Reformen und die Bekämpfung einzelner Symptome können diesmal aber nicht die Lösung sein. Die Zeit ist gekommen, den Profifußball grundlegend zu verändern. Wir alle wollen einen neuen Fußball:

Unser Fußball – ein fairer Wettbewerb

Faire Rahmenbedingungen sind die Grundlage eines attraktiven Wettbewerbs. Die Schere zwischen großen und kleinen Vereinen geht allerdings immer weiter auseinander. Um den Wettbewerb wieder deutlich ausgeglichener zu gestalten, bedarf es grundlegender Änderungen – sowohl auf nationaler, als auch auf europäischer Ebene. Unser Fußball zeichnet sich durch eine gleichmäßigere Verteilung der TV-Gelder, die Einführung eines nationalen Financial Fairplays und die eindeutige Begrenzung von Investoreneinflüssen aus.

Unser Fußball – ein gesellschaftliches Vorbild

Mit seiner enormen Strahlkraft kommt dem Fußball eine große gesellschaftliche Verantwortung zu. Eine Verantwortung, der er leider allzu oft nicht gerecht geworden ist. Unser Fußball macht sich im Sport und in der Gesellschaft für Menschenrechte und Vielfalt stark. Er setzt sich konsequent gegen Diskriminierung ein und bekämpft Korruption ernsthaft. Als gesellschaftliches Vorbild handelt unser Fußball sozial nachhaltig und wird seiner ökologischen Verantwortung gerecht.

Unser Fußball – demokratisch & wirtschaftlich nachhaltig

Kurzfristiges Denken und schlechtes Wirtschaften müssen der Vergangenheit angehören. Mit eingetragenen Vereinen als Basis und demokratisch-transparenten Entscheidungsprozessen muss sich der Fußball zukunftsfähig aufstellen. In unserem Fußball gehören die Vereine Dank der 50+1-Regel ihren Mitgliedern. Ein auf langfristige Stabilität ausgelegtes Wirtschaften ist für diese Vereine in allen Ligen möglich. Wirtschaftlich nachhaltiges Handeln und die Bildung von Rücklagen sind fest in den Lizenzierungsverfahren verankert.

Unser Fußball – lebt durch seine Fans

Statt sich immer weiter von seiner Basis zu entfernen, müssen Fans als elementarer Bestandteil des Fußballs anerkannt werden. Als Publikumssport lebt er von einer vielfältigen Fankultur im Stadion. Unser Fußball fördert selbstorganisierte Fankultur und berücksichtigt Faninteressen durch verbindliche und kontinuierliche Beteiligungsprozesse. Er zeichnet sich unter anderem durch sozialverträgliche Ticketpreise, ein inklusives Stadion und fangerechte Anstoßzeiten aus.

Weitermachen wie vor der Krise darf keine Option sein. Wir wollen nicht zurück zu einem kaputten System. Wir fordern Vereine und Verbände auf, vor dem Beginn der kommenden Saison zu handeln. Dazu braucht es einen glaubhaften Grundsatzbeschluss sowie die Einleitung konkreter Reformen: Die Zukunft des Fußballs muss grundlegend neu gestaltet werden – basisnah, nachhaltig und zeitgemäß.

Nach dem Abschluss der Saison 2019/20 wird die Erklärung mit allen Unterzeichnenden an die Deutsche Fußball Liga und den Deutschen Fußball-Bund übergeben.

Quelle: https://unserfussball.jetzt/

UNSERE KURVE: Wir wollen die Krankheit bekämpfen, nicht die Symptome. Für einen gesunden Fußball!

Die Corona-Krise schränkt unsere Gesellschaft und somit auch den Profifußball aktuell sehr stark ein. Seit über einem Monat finden bundesweit keine Fußballspiele mehr statt. Die Einen wollen so schnell wie möglich wieder spielen, die Anderen erst, wenn wieder Publikum zugelassen ist. Das Meinungsbild zur Fortsetzung der Saison 2019/20 könnte nicht unterschiedlicher und kontroverser sein. Die Bedingungen zur Fortsetzung der Saison 2019/20 innerhalb und zwischen den Ligen auch nicht.

Wir haben uns gefragt, um was es eigentlich geht. Geht es wirklich um die verbleibenden Spieltage und die Fortsetzung der Saison? Für uns geht es um viel mehr. Denn der Profifußball als gesamtes System steht so deutlich wie noch nie auf dem Prüfstand. Wir möchten nicht mehr über Symptome diskutieren, sondern endlich über die Krankheit und die Wege zur Gesundung des Fußballs sprechen.

Vereine und Verbände sind herausgefordert jetzt verbindliche Schritte zur Gesundung des Profifußballs einzuleiten und zu gehen. Anders ist eine Akzeptanz für Maßnahmen zur Beendigung der laufenden Saison aus unserer Sicht nicht zu erreichen. Dies setzt voraus, dass der Profifußball anerkennt, dass er nicht erst seit der Corona-Krise krank ist.

Welche Krankheit hat der Fußball? 

Der Profifußball leidet bereits seit langer Zeit an chronischen Beschwerden. Das Krankheitsbild ist vielschichtig:

Auf internationaler Ebene ist er zu einem Spekulationsobjekt für Milliardäre verkommen. Als Negativbeispiele stechen die Vergaben der Weltmeisterschaften ebenso wie etwa der komplette Verkauf sogenannter Fußballvereine hervor. Korruption und Vetternwirtschaft sind die Folgen dieser ungezügelten Kommerzialisierung. Kritik an Menschenrechtsverletzungen müssen wiederkehrend hinter wirtschaftlichen Interessen zurückstehen.

Im deutschen Ligafußball sind nicht wenige Vereine bereits durch finanziellen Hochmut und Misswirtschaft in eine kritische Schieflage geraten. Einige Vereine haben sich selbst kaputt gewirtschaftet. Verbände, Vereine und Funktionäre messen das eigene Handeln nur dann an moralischen Maßstäben, wenn es dem eigenen Vorteil dient.

Gemeinsam mit so manchen Medien wird seit Jahren argumentiert, dass der Ausverkauf des Fußballs der Wettbewerbsfähigkeit dienen würde. Dabei hat sich der Fußball mindestens so weit von einem fairen Wettbewerb entfernt, wie von seinen eigenen Fans.

Bei allen Maßnahmen wurde billigend in Kauf genommen, dass der nationale Wettbewerb stetig ungleicher wird. Die DFL verkündet jährlich voller Stolz steigende Gewinne. Und jetzt droht der Profifußball zu sterben, weil unsicher ist, ob die restlichen neun Spieltage einer Saison zu Ende gespielt werden können.

Warum ist das so? Weil viele Vereine in die laufende Saison investieren statt in Rücklagen. Weil Vereine die laufende Saison mit noch nicht erwirtschafteten Mitteln aus der kommenden Saison finanzieren oder entsprechende Rechte veräußern. Weil manche Vereine durch den wachsenden Druck in den Ligen mitzuhalten ihre Finanzen äußerst knapp kalkuliert haben, verbunden mit der risikoreichen Hoffnung auf sportlich bessere Zeiten.

Die jetzt drohenden Konsequenzen für viele Vereine bestätigen, dass ein solches Wirtschaften keine Strategie mehr für die Zukunft sein darf.

Der Krankheitsverlauf

Die Krankheit des Fußballs hat ihre Wurzeln darin, dass sich durch Profifußball sehr viel Geld verdienen lässt. Im Normalfall sollte das Geld im Fußball dazu dienen, den Spielbetrieb aufrecht zu erhalten. Doch längst steht nicht mehr der Sport im Mittelpunkt, sondern die Maximierung von Einnahmen. Und zwar nicht, um das Eigenkapital der Vereine zu erhöhen. Vielmehr fließen jedes Jahr mehrere Millionen Euro an Spieler, Berater, Trainer, Funktionäre und Investoren. Ungleichmäßige Verteilungen, die daraus entwickelten Abhängigkeiten und wirtschaftliche Ungleichheiten innerhalb und zwischen den Spielklassen sind Kern des Problems. Die finanziellen Rahmenbedingungen zwischen Bundesliga und 2. Bundesliga, 2. Bundesliga und 3. Liga sowie den unteren Ligen sind enorm. Sie fördern keinen fairen Wettbewerb, sondern befeuern den ständigen Drang der Vereine nach Mehreinnahmen, um vermeintlich konkurrenzfähig zu bleiben.

Absurderweise basiert die Kommerzialisierung des Fußballs darauf, dass ihm ein besonderer gesellschaftlicher Wert zugeschrieben wird. Er verbindet und kann Grenzen überwinden, er ist die schönste Nebensache der Welt. Diese Werte, die der Fußball tatsächlich hat, wurden als Instrument für Kommerzialisierung missbraucht. Das Motto hieß: Höher, schneller, weiter. Die Corona-Krise sorgt nun für eine harte Bodenlandung. Das „Geschäftsmodell Fußball“ ist nicht mehr an Werten orientiert, sondern zur kapitalistischen Ware verkommen. In Deutschland immerhin noch begrenzt durch die (bereits aufgeweichte) 50+1-Regel, die den Fußball wiederkehrend daran erinnert, wo er herkommt und wo er hingehört: In die Vereine, verbunden mit seinen Mitgliedern und Fans. An die Basis.

Fans im Stadion müssen der Kern des Fußballs sein

Der Profifußball finanziert sich durch verschiedene Quellen. Die drei wichtigsten Einnahmequellen sind der Verkauf der Medien-Vermarktungsrechte, der Abschluss von Sponsorenverträgen und die Einnahmen durch Tickets. Das Sponsoring ist dabei eng mit den TV-Übertragungen verknüpft. In der Bundesliga und 2. Bundesliga nehmen die Einnahmen durch Tickets prozentual den kleinsten Anteil ein. In der 3. Liga oder unteren Spielklassen verkehrt sich das Verhältnis der Einnahmen ins Gegenteil.

Die Abhängigkeit des Profifußballs von Fernsehgeldern wurde nie sichtbarer als in der aktuellen Situation. Es ist absurd, dass Bundesligavereine ihre Liquidität nur dann sichern können, wenn sie auf das verzichten, was den Fußball ausmacht: Fußballspiele in gefüllten Stadien. Fußballspiele vor und für seine Fans. Fußball als gemeinsames, gesellschaftliches und emotionales Ereignis. Ohne Fußballspiele im Stadion mit seinen Fans hat der Profifußball keinen gesellschaftlichen Wert. Ohne Fußballspiele im Stadion mit seinen Fans gäbe es keinen Fußball mehr, der so viele Menschen fasziniert. Und sind wir ehrlich: Ohne Fußballspiele mit seinen Fans und seiner stimmungsvollen Atmosphäre würde langfristig auch die Attraktivität für TV und Sponsoren sinken.

Das Standard-Argument: Wenn Du nicht mitspielst, bist Du raus

Statt dieser einseitigen Abhängigkeit von der Medienvermarktung wenigstens ab der 3. Liga abwärts etwas entgegenzusetzen, versuchen diese Vereine der Bundesliga nachzueifern und Erlöse aus der Medienvermarktung zu steigern. Statt gemeinsam krisensichere und nachhaltige Möglichkeiten der Sicherung ihrer finanziellen Existenz zu entwickeln, wird das vermeintlich schnelle Geld bevorzugt. Das Argument ist national dasselbe wie international: Wenn wir weiterhin Teil des Wettbewerbs bleiben wollen, müssen wir das Spiel mitspielen. Dieselbe Argumentation wird für die Öffnung für Investoren, für die Einschränkung von Fankultur und für alle unliebsamen Maßnahmen angeführt. Wohin dieses Spiel geführt hat, sehen wir alle in besonderer Deutlichkeit in der aktuellen Situation.

Wir sagen: Wenn das Spiel so weitergeht, sind wir raus!

Der Profifußball hat noch nie so stark um die Akzeptanz seines Geschäftsmodells in der Gesellschaft gerungen wie in der aktuellen Situation. Die Gesellschaft ist herausgefordert einen Umgang mit einer nationalen und internationalen Krisensituation zu finden. Wenn der Fußball ein Teil der Gesellschaft sein will, kann er nicht losgelöst von der gesamtgesellschaftlichen Situation handeln. Er muss diese stetig in seinem Handeln und seinen Gedankenspielen berücksichtigen. Wirtschaftliche Interessen müssen sich den aktuellen Rahmenbedingungen anpassen, nicht umgekehrt.

Die Verbände und Vereine müssen glaubhaft machen, dass sie sich von der exponierten Rolle der Vergangenheit verabschieden. Es ist der richtige Zeitpunkt, um zu den Wurzeln des Fußballs zurückzukehren. Der Fußball braucht einen ligaübergreifenden fairen Wettbewerb. Der Profifußball muss sich wirtschaftlich nachhaltig aufstellen.

Es ist nachvollziehbar, dass dieser Schritt nicht von heute auf morgen möglich ist. Die Vereine und Verbände sind aufgefordert, tragfähige Konzepte für einen nachhaltigen Fußball zu erstellen. Diese müssen sowohl Fußballfans als auch der Gesellschaft gegenüber glaubhaft darlegen, dass der Fußball sich ändern wird. Nur dann könnt Ihr auf unsere Unterstützung in der Krise und in der Zukunft bauen.

Wir leisten Erste Hilfe, wenn der Profifußball bereit ist gesund zu werden

Wir verstehen die laufenden Debatten um die sportliche Fortsetzung der Saison als Erste-Hilfe-Maßnahme. Eine solche Maßnahme ist jedoch nur dann sinnvoll, wenn die Patient*innen – also alle Beteiligten – Einsicht in die Erkrankung des Systems Fußball haben, die Probleme als solche anerkennen und bereit sind, Veränderungen herbei zu führen. Bisher gab es im Verlauf der Krise nur wenige Stimmen aus Vereinen, die unsere Ansicht des kranken Fußballs teilen, gleichwohl aber viele von der Fanbasis. Vereine und Verbände müssen bereit sein, den mühevollen Weg der Veränderung in Angriff zu nehmen. Leere Versprechungen und lose Absichtserklärungen reichen nicht. Veränderungen müssen jetzt beginnen.

Der Weg zur Gesundung des Fußballs

Erste Schritte zur Gesundung des Profifußballs können bereits jetzt eingeleitet werden. Denn diese Schritte werden im Fußball nicht zum ersten Mal diskutiert, sind aber gleichwohl wesentlich. Ein erster Schritt ist eine Vereinbarung über eine gerechtere Verteilung von Fernsehgeldern innerhalb der Spielklassen und übergreifend im gesamten Ligen-System. Ein weiterer besteht darin, die Statuten der Verbände und die Lizenzierungsauflagen so zu ändern, dass die Vereine zur Bildung von Rücklagen verpflichtet werden, sobald die Krise überwunden ist. Perspektivisch müssen Abhängigkeiten von einzelnen Einnahmequellen reduziert werden, der Profifußball muss als Ganzes gedacht werden und nicht (nur) in seinen organisatorischen Einheiten. Hierfür müssen kreative Ansätze unter Berücksichtigung bestehender Expertise entwickelt werden. Der „neue Fußball“ braucht Visionäre und Visionärinnen, die die Herausforderung annehmen eine Balance zwischen wirtschaftlichen Interessen und gesellschaftlicher Verantwortung herzustellen. Dann können die Vereine in Deutschland zum Vorbild eines nachhaltigen Geschäftsmodells im Fußball werden, das sich auch für den europäischen Fußball lohnt.

Der Ball liegt jetzt bei den Vereinen: Wollt Ihr einen „neuen Fußball“?

Es liegt an Euch, liebe Fußballvereine, ob die Krise zu einer Chance wird oder nicht. Ihr habt eine starke Stimme in Euren Verbänden, Ihr könnt diese für eine Veränderung des Profifußballs nutzen. Es liegt an Euch, ob Ihr die Fans hinter Euch versammelt oder sie zu Euren Gegenspielern werden.

Wir bieten uns wie gewohnt als kritisch-konstruktive Begleitung an. Wir sind bereit, Kompromisse zur Fortsetzung der Saison auszuhandeln, wenn wir nicht nur die Saison 2019/20 nach neun Spieltagen abschließen, sondern auch das jetzige Modell Fußball. Wir wollen mit Euch einen „neuen Fußball“ auf den Weg bringen.

Der „neue Fußball“ hält sein Wort und windet sich nicht mit fadenscheinigen Argumenten heraus. Er will seine Glaubwürdigkeit zurück und ist bereit, sehr viel dafür zu investieren. Der „neue Fußball“ akzeptiert keine Spiele ohne Fans, weil sie als wichtiger Teil des Fußballs anerkannt sind. Deshalb verschiebt der „neue Fußball“ die Eröffnung der kommenden Saison in den September und erarbeitet Konzepte, wie er dann wieder mit Publikum spielen kann.

Denn der „neue Fußball“ weiß, dass er nur mit seinen Fans vollständig ist.

Unsere Kurve, 21.04.2020

Quelle: https://www.unserekurve.de/blog/wir-wollen-die-krankheit-bekaempfen-nicht-die-symptome-fuer-einen-gesunden-fussball/