30.12.17

SZ: Kongress des Chaos Computer Club - Der überwachte Mensch zensiert sich selbst


Der Hacker-Kongress des Chaos Computer Club diskutiert über "Social Cooling": Wie wir unser Leben angesichts drohender Totalüberwachung einschränken. (...)

Viele sehen sich bestätigt, dass die Überwachungs-Dystopien, von denen sie seit Jahrzehnten sprechen, immer deutlicher zu einer Wirklichkeit werden, die auch die breite Gesellschaft wahrnimmt, und sei es durch die unbewusste Verhaltensveränderung des "Social Cooling". Das in China sogar zur Norm werden soll.

Bis auf den letzten Platz ist der größte Saal besetzt, als die Sinologin Katika Kühnreich beschreibt, wie ein Staat eine ganze Gesellschaft einer Konformitäts-Maschine unterwirft. In China weisen mehrere konkurrierende Scoring-Systeme Bürgern einen "sozialen" Punktestand zu, der sich aus Online- und Offline-Daten über sie speist. Aus Zahlungsmoral, politischer Aktivität und dem Punktestand, sowohl des Bürgers als auch seiner Freunde, ergibt sich ein Wert. Je nachdem, wie sich die Menschen verhalten, steigt oder sinkt dieser Wert, der den Zugang zu Bildung, Krediten und Konsum regeln soll. Die Systeme bleiben intransparent: "Wenn ich nicht genau weiß, welches Verhalten welche Bewertung auslöst, verunsichert mich das und ich verhalte mich vielleicht vorsichtiger als vorher." Um konformes Verhalten durchzusetzen, ist ein spielerischer Ansatz besser als Drohen und Strafen. Erfahrungen aus Computerspielen flossen in die chinesischen Systeme ein. Deshalb seien Orwell'sche Vergleiche falsch, erklärt Kühnreich: "In ,1984' ging es um Zwang. Hier geht es darum, sich kuschelig zu fühlen."

Solches "Nudging" klingt aber nicht ganz so possierlich, wenn es tatsächlich zum Zwang wird: Von 2020 an soll eines der Systeme in China für alle verpflichtend sein. Kühnreich warnt aber vor China-Bashing. Was dort passiere, sei keine Schnapsidee einer fernen Diktatur, sondern Ausdruck eines weltweiten Trends. "Alle organisierten Gesellschaften sind auf gewissen Ebenen kontrolliert, nicht nur China." Unternehmen wie Alibaba oder Tencent, die mit dem chinesischen Staat die Systeme bauen, hätten ihre Entsprechungen bei uns in Facebook und anderen Konzernen. Auch wenn man einwenden sollte, dass die chinesischen Konzerne viel staatsnäher sind.

Datenwissenschaftler Hendrik Heuer von der Uni Bremen erklärte in seinem Vortrag, was passiert, wenn Techniken des Maschinenlernens auf Daten aus sozialen Netzwerken losgelassen werden: "Ein homophober Arbeitgeber muss nicht mehr erfragen, ob jemand homosexuell ist, wenn er es direkt aus einem Facebook-Profil herauslesen kann. Und es interessiert ihn auch nicht, ob er nicht vielleicht einen 'Fehler' macht und einen Heterosexuellen falsch einordnet." (...)

Konkrete und praktikable Lösungen sind allerdings selten zu hören. Auch nicht zum "Social Cooling". (Der niederländische Datenschutz-Aktivist Tijmen) Schep forderte eine Sprache, die besser zupackt, um eine breite Öffentlichkeit für Datenschutz zu gewinnen. Auch wer nicht leidenschaftlich für Datenschutz streite, kenne schließlich die beschriebene "Klickangst". Wobei viele auf dem CCC-Kongress einen Ausweg ohnehin täglich praktizieren: Sie sind anonym im Netz unterwegs. Man kann die Maschinen und Netzwerke ja auch einfach anlügen, wenn sie Informationen von einem wollen.

Zum vollständigen Artikel: www.sueddeutsche.de/digital/kongress-des-chaos-computer-club-der-ueberwachte-mensch-zensiert-sich-selbst-1.3808605


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